Gedanken und Inspirationen


 Die Kunst Gedanken zu meistern - Der Schlüssel zum Glück liegt in uns selbst

 

 

Das Gedankenkarussell

Gedanken, Gedanken und noch mehr Gedanken. Immer die gleichen Gedanken. Eigene und fremde Gedanken. Sätze, Wortfetzen, Grübeleien. Gedanken über Dinge, die wir nicht ändern können. Unnötige Gedanken. Sorgen, Zweifel, Ängste und Bilder, jede Menge Bilder und Vorstellungen, viele, viele Vorstellungen. Gedanken über das Gestern. Gedanken über das Morgen. Alles Bilder und Vorstellungen, die nur in unserem Kopf existieren. Und immer weiter dreht sich das Rad, unablässig und das Gehirn produziert Gedanken und noch mehr Gedanken und Vorstellungen und noch mehr Vorstellungen und Bilder und noch mehr Bilder....Und ewig dreht sie sich - die Mühle der Gedanken, während die Realität, die nur im Hier und Jetzt existiert, an uns vorbeigeht. 

 

 

Gedanken versperren uns die Sicht

Wir sind gefangen in unserem eigenen Gedankengefängnis. Ein Gefängnis aus Gedanken, die oft noch nicht mal unsere eigenen sind. Gedanken von anderen, die diese ausgesprochen haben. Wir haben die Macht der Worte zu spüren bekommen. Worte der Angst, des Selbstzweifels, der Ausweglosigkeit, des Versagens - negative Aussprüche anderer Menschen, die selbst aus der Balance geraten sind, die selbst nicht mit sich im Reinen sind. Verletzende Worte. Und wir waren in dem Moment schwach und unsicher und unachtsam und haben uns diese Gedanken anderer Menschen zu eigen gemacht und jetzt kreisen sie in unserem Kopf. Sie breiten sich aus, wie das Gift einer Schlange. Doch das Gift kann nur seine Wirkung tun, wenn wir es zulassen. Es gibt ein Tor im Gatter. Wir haben einen freien Willen.  

 

 

Vom Weg abgekommen

Manchmal geschehen Dinge in unserem Leben, die dazu führen, dass wir von unserem Weg abkommen. Das kann ganz schnell und plötzlich passieren, z.B. durch eine Trennung, einen Schicksalsschlag, eine tiefe Enttäuschung oder es geschieht ganz langsam und schleichend. Gefangen im Alltagstrott finden wir uns mehr oder weniger mit den Gegebenheiten ab und verlieren dabei unseren Weg aus den Augen. Irgendwann wachen wir auf und stellen erschreckt fest, dass das, was wir wir tun, nicht mehr unsere Sache ist. Wir haben das Gefühl, etwas zu verpassen. Wir haben damit aufgehört, nach den Sternen zu greifen. Wir sind stumpf geworden und stapfen mit schweren mühevollen Schritten vor uns hin. Blind für die schönen Dinge des Lebens folgen wir einfach irgendeinem Pfad. Vielleicht, weil er so bequem ist. Vielleicht, weil wir uns daran gewöhnt und damit abgefunden haben. Vielleicht ist es aber auch so, dass uns jemand gesagt hat, dass dies der richtige Weg für uns sei und wir sind in unserer Angst und Unsicherheit einfach blind dieser Anweisung gefolgt. Vielleicht hat uns auch jemand am Arm gepackt und auf diesen Weg gezerrt oder vielleicht haben wir jemandem selbst die Hand gegeben und uns mitziehen lassen nach dem Motto "Ich weiß nicht, wohin ich gehen soll, also gehe ich einfach mit und überlasse dem anderen die Führung". Plötzlich machen wir die Augen auf, sehen uns um und stellen fest, dass wir an einem Ort sind, wo wir nicht hin wollten. Vielleicht stehen wir auch an einer Weggabelung und müssen uns für einen Weg entscheiden, auch wenn dieser Weg dann nicht mehr der Weg des Partners oder engen Freundes ist. Manchmal trennen sich die Wege. 

 

 

Vor lauter Bäumen den Wald nicht sehen

Wir können im Leben auch in Situationen geraten, in denen wir vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehen. Dann haben wir den Weg komplett verloren. Wir bleiben dann stehen, weil wir nicht mehr wissen, wohin wir gehen sollen, denn der Weg ist nicht mehr zu sehen. Es ist dann gut, inne zu halten, denn es macht keinen Sinn zu laufen, wenn wir nicht wissen, was das Ziel ist und wie wir dorthin gelangen. Wir würden uns nur verirren, ziellos umherstreifen und uns schließlich erschöpft im Dickicht verheddern. Vielleicht hat uns auch eine große Furcht dazu gebracht, kopflos davon zu stürmen. Wir rennen und rennen und wissen nicht einmal wohin. Wir wollen einfach nur weg. Wir werden uns an den Dornen verletzen, über Wurzeln stolpern oder sogar in ein Loch fallen. Irgendwann können wir nicht mehr davonrennen. Irgendwann wird jeder müde, der nicht zwischendurch innehält, ausruht und reflektiert. Hat mein seinen Weg verloren, kann ein Kompass eine wichtige Hilfe sein. So haben wir dann wenigstens wieder eine Richtung. Oft reicht auch schon ein Blick zu den Sternen. 

 

 

Die graue Steinwüste

Manchmal erscheint uns das Leben wie eine riesige, monotone, graue Steinwüste. Wir krabbeln mühsam den großen, grauen Stein hinauf und stellen fest, dass dahinter ein weiterer großer, grauer Stein liegt. Mit einem tiefen Seufzer krabbeln wir auch diesen hinauf und zu unserem Entsetzen befindet sich vor uns der nächste große, graue Stein. Verzweifelt und den Tränen nahe, erklimmen wir auch diesen, um frustriert festzustellen, dass dahinter schion der nächste große, graue Stein lauert. Die Wüste aus riesigen großen, grauen Steinen scheint unendlich groß zu sein. Dabei handelt es sich nur um den schmalen Rand eines breiten, bequemen Weges und die Steine dienen der Befestigung, damit der Weg nicht den Hang hinabrutscht. Daneben gibt es eine bunte Wiese mit vielen Blumen. Vielleicht hat der Marienkäfer eine Zeit lang vergessen, dass unter seinem glänzendem roten Panzer zwei zarte, aber sehr effektive Flügel verborgen sind. Sobald er das Krabbeln über graue Steine leid ist, wird er sich darauf besinnen, das er die Gabe des Fliegens in sich trägt. Er wird sich dann in die Lüfte erheben und zur bunten Blumenwiese hinüberfliegen. Dort wird er sich stärken und an einem angenehmen Ort ausruhen.

 

 

Warum sollte jemand, der mit Flügeln geboren wurde, sich tagaus tagein damit abmühen, über riesige graue Steine zu krabbeln? Es ist nicht gut, das Sehnen im Inneren als Träumerei abzutun und sich mit der grauen Steinwüste abzufinden, schon garnicht, wenn man Flügel hat. 

 

 

Die Stürme des Lebens bewältigen

Im Leben scheint nicht immer die Sonne. Ab und zu geraten wir in einen heftigen Sturm. Oft können wir den Stürmen nicht ausweichen. Vielleicht waren wir nicht achtsam genug und haben den Sturm nicht kommen sehen. Vielleicht haben wir keinerlei Möglichkeiten, dem Sturm auszuweichen. Vielleicht würde ein Ausweichmanöver uns viel zu sehr von unserem Kurs abbringen. Wie dem auch sei, in dieser Situation gibt es nur eins: Wir müssen durch den Sturm hindurch und das möglichst ohne zu sinken oder an den Klippen zu zerschellen. Es kann schon sein, dass wir später das ein oder andere Segel ersetzen und das ein oder andere Leck flicken müssen. Es kann sogar sein, dass wir eine Zeit lang mit unserem Schiff im Trockendock liegen müssen, bis es wieder komplett seetauglich ist. Das ist alles nicht so schlimm, solange wir nicht mit Mann und Maus untergehen. Das Motto "Augen zu und durch" ist in einem schweren Sturm definitiv nicht die richtige Strategie. Es ist wichtig, den Sturm als Herausforderung zu sehen, der unsere volle Achtsamkeit erfordert und in dem unser ganzes Können zum Einsatz kommen kann. Ein Sturm kann das Beste in uns zum Vorschein bringen. Achtsamkeit und Gelassenheit und ein klarer Verstand sind in einem Sturm die wichtigsten Voraussetzungen dafür, dass wir ihn heil überstehen. Wenn wir die Stürme des Lebens meistern, werden wir danach jedes mal stärker und um etliche Erfahrungen reicher sein. Vielleicht sehen wir dann in Zukunft die Stürme kommen und suchen vorher in einer Bucht Schutz. Vielleicht gelingt es uns auch, den Sturm zu umschiffen, ohne dass unsere Fracht verdirbt, weil der Umweg zu weit ist. Vielleicht ergreifen wir erfahren und selbstbewusst mit beiden Händen das Ruder und schreien dem brüllenden Orkan ein "Hier bin ich! Dies ist mein Schiff! Und dies ist mein Kurs!" entgegen. Wir trotzen den tobenden Elementen mit Erfahrung, Kraft, Verstand und Besonnenheit, aber ohne Übermut. Achtsamkeit, schnelle Reaktionen und ein klarer Verstand trotz schlechter Sicht, sind das Handwerkszeug. Kompass nicht vergessen und den Kurs und das Ziel nicht aus den Augen verlieren. 

 

 

Ausruhen in stillen Gewässern

Manchmal haben wir den Eindruck, unser ganzes Leben sei ein einziger nie endenwollender Sturm. Wir kämpfen und kämpfen und kämpfen. Wir schöpfen und schöpfen und schöpfen das Wasser mit einer kleinen Kelle aus dem leckgeschlagenen Schiff. Wir sind verzweifelt, weil unser Schiff ständig zu sinken droht. Immer mehr Wasser fließt unaufhörlich ins Boot und unsere kleine Kelle und unsere verbliebene Kraft reicht nicht aus, um die gleiche Menge wieder hinauszuschüpfen, damit das Boot nicht sinkt. Spätestens dann ist es an der Zeit, sich eine Pause zu gönnen. Jemand anderem die Kelle in die Hand zu geben, um weiter zu schöpfen, obwohl die Kelle zu klein ist, wäre nicht fair. Schließlich wollten wir nicht rechtzeitig einsehen, dass es keinen Sinn mehr hat gegen den Sturm zu segeln. Schließlich haben wir uns geweigert, einen anderen Kurs einzuschlagen. Vielleicht wollen wir als Käpt'n unseres eigenen Schiffes nicht die Verantwortung dafür übernehmen, dass wir aus Mangel an Erfahrung Entscheidungen getroffen haben, die zu dieser Situation geführt haben. Es könnte auch sein, dass das Schiff schon längst auf einer Sandbank liegt und wir schöpfen noch imer das Wasser mit der kleinen Kelle hinaus, ohne zu merken, dass unser Schiff garnicht mehr sinken kann, über uns die Sonne scheint und die Möwen das nahe Ufer hinausschreien. Ganz gleich an welchem Punkt wir in solchen Situationen auch stehen, wenn wir vollkommen erschöpft sind, ist es allerhöchste Zeit, stille Gewässer aufzusuchen. Wir müssen nicht auf Biegen und Brechen weiterhin der rauhen See trotzen. Wir brauchen zwischendurch einen Aufenthalt in stillen Gewässern, damit uns nicht komplett die Kraft ausgeht. Auf einem ruhigen Seerosenteich können wir uns in einem kleinen Ruderboot gemütlich ausstrecken, die Stille genießen und uns von den Wellen schaukeln lassen, bis die Kräfte wieder hergestellt sind. In der Ruhe liegt die Kraft.       

 

 

Tief und entspannt schlafen

Diese Katze hier schläft auf einer warmen Kühlerhaube völlig entspannt neben einer kleinen Straße. Sie legt sich einfach hin und schläft. Es kann schon sein, dass sie etwas träumen wird, aber sie wird sich bestimmt nicht hin und her wälzen, weil in ihrem Kopf ein Gedanke den anderen jagt. Sie wird sich keine Sorgen um ihre Zukunft machen. Sie wird nicht darüber nachgrübeln, ob die Katze von nebenan sie leiden kann oder nicht und sie macht sich auch keine Gedanken darüber, wo die nächste Maus herkommen wird. Wenn sie ausgeruht ist und Hunger bekommt, wird sie aufstehen, sich recken und strecken und auf die Jagd gehen, um dann anschließend nach der Anstrengung und einem Mahl wieder zu ruhen. Wir Menschen können das auch, wenn wir den ständig plappernden Gedanken in unserem Kopf Einhalt gebieten. 

 

 

Mental gut vorbereitet in das nächste Rennen

Hin und wieder stehen wir vor einem großen und wichtigen Ereignis, z.B. vor einem Wettbewerb, einer Prüfung, einer Veranstaltung etc. Und wenn sehr viel davon abhängt, kann es sein, dass uns eine Unruhe ergreift. Wenn unser Selbstwertgefühl und unser Selbstvertrauen nicht stark genug sind, dann kann es sein, dass wir kurz vor dem Start anfangen, an unserem Können zu zweifeln. Wir werden nervös, uns bricht der Schweiß aus und vielleicht fangen sogar unsere Hände an zu zittern. Obwohl wir uns gut vorbereitet haben, schweben wir in der Gefahr, unser Ziel zu verfehlen, weil wir uns im entscheidenden Moment nicht ausreichend konzentrieren können. Wir sind in dem Augenblick, in dem es drauf ankommt, körperlich anwesend, in unseren Gedanken jedoch ganz woanders. Wir sind überall, aber definitiv nicht im Hier und Jetzt. Dann kommt der wichtige Augenblick und ist sofort wieder weg und wir haben diesen entscheidenden Moment verpasst. Der wichtige Augenblick gehört nun der Vergangenheit an und die Chance ist vertan. In solchen Situationen hilft es auch nicht, im Nachhinein über die verschüttete Milch zu jammern. Es ist jetzt viel wichtiger, zu reflektieren, warum wir in diesem wichtigen Moment nicht da waren. Gedanken an das Gestern und das Morgen vernebeln die Sicht auf das Hier und Jetzt. Das kann soweit gehen, dass wir von Punkt A nach Punkt B fahren und uns später fragen, ob dazwischen eine rote Ampel war. In vielen Fällen ist es nicht das fehlende Können, das uns scheitern lässt, sondern das Fehlen von Achtsamkeit, Aufmerksamkeit, Konzentration und kompletter Anwesenheit im Hier und Jetzt. Unser Pfeil wird das Ziel treffen, wenn es im entscheidenden Augenblick nur den Bogen, den Pfeil, das Ziel und den Schützen in voller Konzentration und Achtsamkeit im Hier und Jetzt gibt.  

 

 

 Keiner kann aus seiner Haut?

"Ach ja", seufzte die kleine Raupe und fügte hinzu: "Das Leben ist, wie es ist und keiner kann aus seiner Haut." Da flog ein Schmetterling vorbei. Wenn eine Raupe genug gewachsen ist, spinnt sie sich selbst ein und baut sich einen Kokon. Dieser Kokon ist gut getarnt, unscheinbar. Er wirkt leblos, aber im Inneren findet eine Umwandlung statt. Wenn die Zeit reif ist, schlüpft aus dieser Hülle ein Schmetterling. Die Flügel müssen sich erst entfalten und in der Sonne trocknen, bevor der Schmetterling sie benutzen kann. Doch dann erhebt er sich in die Lüfte und tanzt mit dem Wind. Die Libelle verbringt einen großen Teil ihres Lebens als Larve im schlammigen Grund eines stillen Gewässers. Sie sieht mit ihrer Fangmaske zum Fürchten aus. Wer es nicht weiß, kann nicht ahnen, dass aus ihr eines Tages ein wunderschönes und pfeilschnelles Wesen wird. Wenn die Zeit gekommen ist, klettert sie an einem Schilfstengel hoch. Nach einer Weile platzt der unscheinbare, braune Panzer auf und sie schlüpft langsam und mühevoll aus ihrem engen Gefängnis, das ihr all die Jahre Schutz geboten hat. Sie pumpt ihre großen Flügel auf. Auch sie muss warten, bis die Sonne ihre Flügel getrocknet hat, bevor sie sich in die Luft erhebt. Einen Moment bleibt sie in der Luft stehen, dann schießt sie pfeilschnell davon. In jedem von uns steckt ein Schmetterling oder eine Libelle. Doch vielen fehlt der Mut, aus dem schützenden Kokon herauszukommen. Die Welt ist so farbenfroh und groß und anstatt sie zu entdecken, verbringen manche Menschen ihr Leben lieber im getarnten und schützenden Kokon und träumen von der weiten Welt und finden sich damit ab, dass das Sehnen in ihren Seelen und in ihren Herzen niemals gestillt wird. 

 

 

Sich selbst schützen

Um sich selbst zu schützen, muss man nicht unbedingt in einem getarnten Kokon verweilen. Auf diese Form von Schutz ist nicht unbedingt Verlass, denn wenn die Tarnung auffliegt, wird der Kokon zur Falle, denn Schmetterlinge können in dieser Phase ihres Lebens nicht davonfliegen. Es ist auch möglich, ohne jegliche Tarnung in einem farbenfrohen Gewand vollkommen frei und selbstbewusst umherzuhüpfen und zu klettern und das Leben zu genießen. Sich selbst schützen zu können, hat auch nicht unbedingt etwas mit körperlicher Größe zu tun. Es kommt immer drauf an, was in uns steckt. Viele Attacken von außen lassen sich vermeiden, wenn wir schon vorher Farbe bekennen und eindeutig Flagge zeigen. Wer uns nicht gut gesonnen ist, respektlos die Grenze überschreitet, die deutliche Warnung ignoriert und zulangt, ist selbst schuld. Wer aus sich selbst heraus so gut geschützt ist, muss sich nicht verstecken.

 

 

Sich einen neuen Überblick verschaffen

Es gibt Situationen, die wir nicht mehr überblicken können, weil wir viel zu dicht davor stehen oder zu sehr darin verstrickt sind. Außenstehende können uns einen Rat geben, aber wir müssen für uns selbst erkennen, worin das Problem liegt, wieviel wir damit zu tun haben und wie es gelöst werden könnte. Manchmal ist es einfach erforderlich, aus der Situation mental und emotional auszusteigen, sich innerlich zu distanzieren und einen größeren Abstand zu gewinnen. An Bord eines alten Segelschiffs ist es auch der Matrose im Ausguck, der als erstes die Küste entdecken und dann "Land in Sicht" rufen wird. Von Zeit zu Zeit ist es gut, sich einen erhöhten Standort zu suchen, von dem aus wir den Blick in die Ferne schweifen lassen können. Zuviel Nabelschau ist auf Dauer ungesund und das Verweilen in einer unglücklich machenden Situation erst recht. Dadurch, dass wir immer wieder und wieder die gleichen Gedanken in unserem Kopf hin und herwälzen, werden wir bestimmt nicht zu einer befriedigenden oder sogar optimalen Lösung kommen. Distanz können wir nur dann gewinnen, wenn wir diesen Gedanken Einhalt gebieten. Nach einer gedanklichen Pause werden wir die Dinge klarer sehen und beurteilen können, welche Gedanken zu uns gehören und welche uns eingetrichert wurden, weil wir in unserer Verzweiflung ohne die notwendige Distanz nicht erkennen konnten, dass wir manipuliert worden sind. 

 

 

Wenn Gedanken schweigen

Wir können uns zu jeder Zeit und an jedem Ort eine erholsame Pause gönnen, indem wir unsere Gedanken zum Schweigen bringen. Wenn Stille im Kopf herrscht, dann stellt sich eine tiefe Entspannung ganz von allein ein. Sogar in extrem belastenden Situationen ist es kein Problem, sich eine entspannende Pause zu gönnen, um neue Kräfte zu sammeln und um sich neu konzentrieren zu können. Es spielt dabei auch keine Rolle, wo wir uns gerade befinden. Viele Menschen können es sich nicht vorstellen, dass es möglich ist, mitten im Großstadttrubel in vollkommener innerer Ruhe und Harmonie auf einer Bank an einer Bushaltestelle zu sitzen. Das Problem besteht darin, dass wir denken, wenn wir uns etwas vorstellen. Solange wir jedoch denken, dass es nicht geht, geht es auch nicht, denn es geht eben nur, wenn wir nicht denken. Das Gefühl des inneren Friedens und der inneren Ruhe und Ausgeglichenheit, das in einem gedankenfreien Zustand entsteht, lässt sich mit Worten nicht beschreiben. Es kann nur erfahren werden. Wie in vielen Bereichen unseres Lebens, macht auch hier Übung den Meister. 

 

 

Hellwach im Ruhezustand

Wenn die Gedanken schweigen, kann sich der Körper entspannen. Wir befinden uns in einem ruhenden Zustand und sind trotzdem hellwach. Wir können unsere Gedanken schweigen lassen und trotzdem intensiv wahrnehmen, was um uns herum geschieht. Das Gehirn formt jedoch keine Sätze und es ordnet den Dingen und Wesen um uns herum auch keine Bezeichnungen zu. Beim Betrachten schießt uns dann nicht sofort das Wort "Pilz" durch den Kopf. Wir nehmen nur wahr ohne zu werten. In diesem intensiven Wahrnehmungszustand können wir die Welt neu entdecken. Wir nehmen wahr, was wir in unserem Zustand der Unachtsamkeit nicht erkennen konnten. So können wir die Welt aus verschiedenen Perspektiven heraus immer wieder neu betrachten.      

 

 

Verschiedene Betrachtungsweisen

Wenn wir unseren Blickwinkel verändern, werden wir erkennen, dass es viele Wege gibt, die Welt zu betrachten. Oft klammern wir uns verzweifelt an unsere alte und gewohnte Sichtweise, weil wir glauben, dass diese uns Sicherheit bietet. Vertraute Wege erzeugen oft ein Gefühl von Geborgenheit. Doch das Leben hat soviel zu bieten, dass es sich lohnt, die alten Pfade zu verlassen. Wer stur an seiner Sichtweise festhält, wird immer nur einen winzigen Teil des Ganzen sehen. Die Welt kann aus einem neuen Blickwinkel heraus betrachtet, ganz anders aussehen. Haben wir das erkannt und verinnerlicht, dann fällt es uns nicht schwer, andere Sichtweisen und Standpunkte zu akzeptieren und später sogar zu verstehen. Wir werden zu unserem eigenen Erstaunen feststellen, dass wir dasselbe betrachten, aber aus unterschiedlichen Blickwinkeln heraus und deshalb fallen auch die Beschreibungen verschieden aus.

 

 

Der Weg zum Frieden

Wenn wir sicher in uns selbst ruhen, dann haben wir auch keine Furcht davor, den Standort zu wechseln, um etwas von einer anderen Seite aus zu betrachten. So kommen immer wieder neue Aspekte zum Vorschein, die wir vorher nicht wahrnehmen konnten, weil zum Erkennen ein Standortwechsel und ein anderer Blickwinkel erforderlich waren. Wie oft reden wir aneinander vorbei, streiten heftig oder kämpfen sogar gegeneinander und im Grunde genommen müssten wir nur die Gedanken zum Schweigen bringen und die Herzen sprechen lassen. Wir streiten und kämpfen, weil wir nicht die gleiche Sprache sprechen und sich jede Seite weigert, die Sprache der anderen Seite zu erlernen. Es würde schon reichen, sich neben den anderen zu stellen, seinen Blickwinkel einzunehmen und die Welt aus seiner Sicht heraus zu betrachten, während wir den festgefahrenen, längst überholten Gedanken in unseren Köpfen Einhalt gebieten. Wer seine Augen und sein Herz öffnet und schweigend wahrnimmt, wird die Wahrheit erkennen. In einem gedankenfreien Zustand im Hier und Jetzt gibt es keine Worte, um die man sich streiten könnte. 

 

 

In der Ruhe liegt die Kraft

Wer mit Weile eilt, kommt eher ans Ziel. Unüberlegte, hektische Aktivität unter großem Zeitdruck geht oft zu Lasten des Körpers und der Psyche. Höhere Ziele sind mit Hektik nicht zu erreichen. Konzentration auf das Wesentliche ist der Schlüssel zum Erfolg. Es ist nicht möglich, sich zu konzentrieren, wenn im Kopf ein Gedanke unkontrolliert den anderen jagt. Wir können auch nicht konzentriert bei der Sache bleiben, wenn wir uns durch jede Kleinigkeit ablenken lassen und wir uns über die Fliege an der Wand aufregen. Manchmal ist es schon erforderlich, dass wir uns in unser Schneckenhaus zurückziehen und die Tür fest schließen. Wer jedoch seine Gedanken im Griff hat, kann sich auch im größten Tumult noch konzentriert seiner Aufgabe widmen. Es ist äußerst praktisch, sein Rückzugshäuschen stets dabei zu haben, doch wir sollten aufpassen, dass es nicht zu unserem eigenen Gefängnis wird. Wer ständig eins auf die Fühler bekommen hat, traut sich vielleicht nicht mehr, sein Häuschen zu verlassen. Doch wer zu lange rastet, der rostet. Das Leben findet draußen statt und wer nur in seinem Häuschen hockt, schwebt in der Gefahr, es zu verpassen. 

 

 

Sich startklar machen

Wir alle haben einen freien Willen. Doch manchmal können wir ihn nicht nutzen. Wir bilden uns ein gefangen zu sein. Vielleicht befinden wir uns in einer Situation, die uns ausweglos erscheint. Vielleicht sind wir gefangen in einer Partnerschaft, die uns Seelenschmerz bereitet. Vielleicht müssen wir unseren Lebensunterhalt mit einer Tätigkeit bestreiten, die nicht unsere Berufung ist. Vielleicht sind wir an einem Ort, an dem wir nicht sein wollen. Wir können hunderte von Gründen nennen, warum wir all dem nicht entrinnen können, doch das ändert nichts an der Tatsache, dass wir einen freien Willen haben und sei es nur der freie Wille, anders mit einer Situation umzugehen, die wir nicht von heute auf morgen ändern können. Es gibt ein Licht am Ende des Tunnels und sollten wir es erblicken, dann ist es an der Zeit, sich startklar zu machen. Wir haben unser Leben lange genug gut getarnt und unscheinbar im Schlamm auf dem Grund eines stillen Gewässers verbracht. Jetzt ist es an der Zeit, sich ein geeignetes Schilfrohr zu suchen und aus dem trüben Wasser heraus an die frische Luft und in das Tageslicht zu klettern. Dort werden wir unseren Panzer aufbrechen und aus der schützenden, aber einengenden Hülle hinausklettern. Wir werden unsere Flügel entfalten und geduldig warten bis die Sonne sie getrocknet hat und dann sind wir bereit und startklar, das Leben mit seinen großen und kleinen Wundern und den mannigfaltigen Möglichkeiten neu zu entdecken, während das Licht der Sonne Regenbogenfarben auf unsere Flügel malt. 

 

 

Der Ort zur freien Entfaltung

Wenn wir ihn endlich gefunden haben, den Ort, an dem wir unsere Persönlichkeit frei entfalten können, dann sollten wir in der guten Erde Wurzeln schlagen und unsere Äste dem Himmel und der Sonne entgegen strecken. Im Laufe der Zeit werden wir immer weiter wachsen. Unser Stamm wird käftig werden und unsere Wurzeln werden so tief in die Erde wachsen, dass wir das Grundwasser erreichen. Dann werden wir keinen Durst mehr erleiden und jede Dürre überstehen. Wenn der Grundwasserspiegel sinkt, werden unsere Wurzeln noch tiefer in die Erde wachsen und uns noch fester verankern und so werden wir den Stürmen trotzen. Unsere Äste werden sich immer weiter verzweigen und unser dicker Stamm wird eines Tages eine große Blätterkrone tragen. Unter diesem Dach werden andere Wesen Schutz suchen und im Herbst werden wir ihnen viele Früchte schenken, damit sie in der kalten Winterzeit genug zu essen haben. Es dauert seine Zeit, bis ein Baum Früchte trägt. Es ist nicht nur eine Frage der Entwicklung, sondern oft auch eine Frage des Alters und deshalb sollten wir in Freude und Würde altern und das Alter in Ehren halten. Wer diesen Ort, an dem sich die Persönlichkeit frei entfalten kann, irgendwo da draußen in der Welt sucht, wird ihn nicht finden, denn er liegt in uns selbst. Wachsen werden wir jedoch nur im Einklang mit allem, was ist.

Das Meistern der Gedanken ist der Schlüssel zum Glück.

Meistern Sie Ihre Gedanken. Ich zeige Ihnen, wie das geht.

Carmen Kwasny